Barocknetzwerk: Mit Bach vor den Toren der Stadt
Oda Thormeyer, Tilo Werner & Günter Schaupp (Thalia-Theater Hamburg), Lesungen
Tickets zu 15€ an der Abendkasse
Programm
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Auszüge aus dem Briefroman Die Leiden des jungen Werther (1774)
Beschreibung
Goethes Die Leiden des jungen Werther gilt als herausragender und exemplarischer Roman des Sturm und Drang. Er entwickelte sich „zum ersten Bestseller der deutschen Literatur“, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und war Mitauslöser der sogenannten Lesesucht. Dass sein Buch ein Welterfolg werden würde, war auch für Goethe nicht vorhersehbar. Später schrieb er in seiner Autobiografie Dichtung und Wahrheit: „Die Wirkung dieses Büchleins war groß, ja ungeheuer, und vorzüglich deshalb, weil es genau in die rechte Zeit traf.“
Das Werk steht an der Schwelle zwischen der Aufklärung und der Epoche des Sturm und Drang. Während die Aufklärung Vernunft, Rationalität und gesellschaftliche Ordnung betonte, stellt Werther den Konflikt zwischen diesen Werten und der emotionalen, individuellen Freiheit dar. Der Roman kritisiert die starren gesellschaftlichen Normen und die Unterdrückung des Einzelnen durch eine rationalistische Weltanschauung.
Werther verkörpert das Ideal des Sturm und Drang: ein emotionales Genie, das nach persönlicher Entfaltung strebt und sich gegen gesellschaftliche Zwänge auflehnt. Seine leidenschaftliche, aber unerwiderte Liebe zu Lotte sowie sein Scheitern in einer ständisch geprägten Gesellschaft spiegeln die Spannungen zwischen Gefühl und Vernunft wider. Der Roman zeigt, wie Werthers Individualismus und Naturverbundenheit mit den Normen seiner Zeit kollidieren, was letztlich zu seinem tragischen Selbstmord führt.
Im Kontext der Aufklärung wird Werther oft als Repräsentant eines aufstrebenden bürgerlichen Selbstbewusstseins interpretiert. Der Roman thematisiert den Übergang von einer ständischen zu einer funktional differenzierten Gesellschaft, in der alte Ideologien hinterfragt werden. Gleichzeitig markiert er eine literarische Revolution, indem er subjektive Gefühle und persönliche Erfahrungen in den Mittelpunkt stellt – ein Bruch mit der didaktischen Literatur der Aufklärung.
Apropos Nienstedten: In diesem malerisch an der Elbe gelegenen Vorort von Hamburg weilte Carl Philipp Emanuel Bachs jüngerer Bruder Johann Christoph Friedrich während der Zeit des Siebenjährigen Krieges von Oktober 1757 bis April 1758 in der Gefolgschaft seines Bückeburger Dienstherren, Wilhelm Graf zu Schaumburg-Lippe. Zur Einweihung der Nienstedtener Kirche am 16. Mai 1751 komponierte Carl Philipp Emanuels Patenonkel Georg Philipp Telemann die Kantate Zerschmettert die Götzen und leitete als Bachs Vorgänger als Hamburger Musikdirektor auch selbst die Aufführung. Und nur ein paar Schritte von der Kirche entfernt, steht – auf dem Grund eines alten Hofes aus dem Jahre 1625 - das seit 1992 als Luxushaus betriebene Hotel Louis C. Jacobs.
Programm
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Auszüge aus dem Briefroman Die Leiden des jungen Werther (1774)
Beschreibung
Goethes Die Leiden des jungen Werther gilt als herausragender und exemplarischer Roman des Sturm und Drang. Er entwickelte sich „zum ersten Bestseller der deutschen Literatur“, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und war Mitauslöser der sogenannten Lesesucht. Dass sein Buch ein Welterfolg werden würde, war auch für Goethe nicht vorhersehbar. Später schrieb er in seiner Autobiografie Dichtung und Wahrheit: „Die Wirkung dieses Büchleins war groß, ja ungeheuer, und vorzüglich deshalb, weil es genau in die rechte Zeit traf.“
Das Werk steht an der Schwelle zwischen der Aufklärung und der Epoche des Sturm und Drang. Während die Aufklärung Vernunft, Rationalität und gesellschaftliche Ordnung betonte, stellt Werther den Konflikt zwischen diesen Werten und der emotionalen, individuellen Freiheit dar. Der Roman kritisiert die starren gesellschaftlichen Normen und die Unterdrückung des Einzelnen durch eine rationalistische Weltanschauung.
Werther verkörpert das Ideal des Sturm und Drang: ein emotionales Genie, das nach persönlicher Entfaltung strebt und sich gegen gesellschaftliche Zwänge auflehnt. Seine leidenschaftliche, aber unerwiderte Liebe zu Lotte sowie sein Scheitern in einer ständisch geprägten Gesellschaft spiegeln die Spannungen zwischen Gefühl und Vernunft wider. Der Roman zeigt, wie Werthers Individualismus und Naturverbundenheit mit den Normen seiner Zeit kollidieren, was letztlich zu seinem tragischen Selbstmord führt.
Im Kontext der Aufklärung wird Werther oft als Repräsentant eines aufstrebenden bürgerlichen Selbstbewusstseins interpretiert. Der Roman thematisiert den Übergang von einer ständischen zu einer funktional differenzierten Gesellschaft, in der alte Ideologien hinterfragt werden. Gleichzeitig markiert er eine literarische Revolution, indem er subjektive Gefühle und persönliche Erfahrungen in den Mittelpunkt stellt – ein Bruch mit der didaktischen Literatur der Aufklärung.
Apropos Nienstedten: In diesem malerisch an der Elbe gelegenen Vorort von Hamburg weilte Carl Philipp Emanuel Bachs jüngerer Bruder Johann Christoph Friedrich während der Zeit des Siebenjährigen Krieges von Oktober 1757 bis April 1758 in der Gefolgschaft seines Bückeburger Dienstherren, Wilhelm Graf zu Schaumburg-Lippe. Zur Einweihung der Nienstedtener Kirche am 16. Mai 1751 komponierte Carl Philipp Emanuels Patenonkel Georg Philipp Telemann die Kantate Zerschmettert die Götzen und leitete als Bachs Vorgänger als Hamburger Musikdirektor auch selbst die Aufführung. Und nur ein paar Schritte von der Kirche entfernt, steht – auf dem Grund eines alten Hofes aus dem Jahre 1625 - das seit 1992 als Luxushaus betriebene Hotel Louis C. Jacobs.
Barocknetzwerk: Mit Bach vor den Toren der Stadt
Daria Marshinina Klavier
Tickets: tickets@fleth-philharmonie.de
Programm
Fanny Hensel, geb. Mendelssohn (1805–1847)
Sonata c-Moll (H128)
Allegro moderato e con espressione
Andante con moto
Finale. Presto
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Drei Lieder ohne Worte
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Präludium und Fuge a-Moll BWV 543
(Bearbeitung: Franz Liszt)
***
Fanny Hensel, geb. Mendelssohn
Drei Lieder für das Pianoforte
Johann Sebastian Bach
Drei Orgelvorspiele
„Wohl mir, dass ich Jesum habe“ (Bearbeiung: Myra Hess)
„Schafe können sicher weiden“ (Bearbeitung: Egon Petri)
„Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (Bearbeitung: Ferruccio Busoni)
Felix Mendelssohn Bartholdy
Variations sérieuses op. 54
Beschreibung
TRIALOG
Fanny Hensel, geborene Mendelssohn, eine herausragende Komponistin, Pianistin und Dirigentin, deren 220. Geburtstag im Jahr 2025 gefeiert werden würde, führte ein Leben im Schatten ihres berühmten Bruders Felix, der schon als zwölfjähriges Genie seine Kompositionen für Johann Wolfgang von Goethe spielte. Kaum jemand prägte das Geschwisterpaar so sehr wie Johann Sebastian Bach, dessen Musik sie auf ihren musikalischen Reisen begleitete und den Felix Mendelssohn nach Jahrzehnten des Vergessens mit der Aufführung der Matthäus-Passion für ein größeres Publikum wiederentdeckte. Im Programm TRIALOG präsentiert die aus Moskau stammende Pianistin Daria Marshinina Werke dieser drei eng miteinander verbundenen Komponist*innen auf eine besondere und fesselnde Weise.
Die Kleine Fleth-Philharmonie befindet sich mitten in der malerischen Altstadt der Hansestadt Buxtehude, gelegen vor den Toren Hamburgs und des Alten Landes. Es ist ein exklusiver und privater Konzertraum, dessen Herz ein Steinway A aus dem Jahr 1906 ist. Hier finden in unregelmäßigen Abständen hochkarätige Konzerte mit Musikerinnen und Musikern statt, die normalerweise auf den ganz großen Bühnen spielen. Hier gibt es die Möglichkeit, diese Musiker:Innen ganz hautnah und in Salon-Atmosphäre zu erleben. Allerdings gibt es auch nur 36 Sitzplätze und die Karten dafür sind in der Regel schnell vergriffen:
Dazu stellen bildende Künstlerinnen und Künstler aus der Region ihre Malereien, Zeichnungen oder Fotografien aus. Diese Ausstellungen kann man auch unter der Woche und ohne Konzert besichtigen – einfach klingeln, der Eintritt ist frei.
Betrieben wird die Kleine Fleth-Philharmonie vom Buxtehuder Hasko Witte, der seit etlichen Jahren eine Künstler- & PR-Agentur leitet. Er ist zwar in der Klassischen Musik zu Hause und arbeitet für internationale Orchester und Solisten, er erfreut sich aber auch an Jazz & Welt-Musik. Seine Büroräume befinden sich im hinteren Teil vom Westfleth Nr. 37. Die Kleine Fleth-Philharmonie ist ein Traum, den er sich im November 2021 erfüllt hat.
Programm
Fanny Hensel, geb. Mendelssohn (1805–1847)
Sonata c-Moll (H128)
Allegro moderato e con espressione
Andante con moto
Finale. Presto
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Drei Lieder ohne Worte
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Präludium und Fuge a-Moll BWV 543
(Bearbeitung: Franz Liszt)
***
Fanny Hensel, geb. Mendelssohn
Drei Lieder für das Pianoforte
Johann Sebastian Bach
Drei Orgelvorspiele
„Wohl mir, dass ich Jesum habe“ (Bearbeiung: Myra Hess)
„Schafe können sicher weiden“ (Bearbeitung: Egon Petri)
„Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (Bearbeitung: Ferruccio Busoni)
Felix Mendelssohn Bartholdy
Variations sérieuses op. 54
Beschreibung
TRIALOG
Fanny Hensel, geborene Mendelssohn, eine herausragende Komponistin, Pianistin und Dirigentin, deren 220. Geburtstag im Jahr 2025 gefeiert werden würde, führte ein Leben im Schatten ihres berühmten Bruders Felix, der schon als zwölfjähriges Genie seine Kompositionen für Johann Wolfgang von Goethe spielte. Kaum jemand prägte das Geschwisterpaar so sehr wie Johann Sebastian Bach, dessen Musik sie auf ihren musikalischen Reisen begleitete und den Felix Mendelssohn nach Jahrzehnten des Vergessens mit der Aufführung der Matthäus-Passion für ein größeres Publikum wiederentdeckte. Im Programm TRIALOG präsentiert die aus Moskau stammende Pianistin Daria Marshinina Werke dieser drei eng miteinander verbundenen Komponist*innen auf eine besondere und fesselnde Weise.
Die Kleine Fleth-Philharmonie befindet sich mitten in der malerischen Altstadt der Hansestadt Buxtehude, gelegen vor den Toren Hamburgs und des Alten Landes. Es ist ein exklusiver und privater Konzertraum, dessen Herz ein Steinway A aus dem Jahr 1906 ist. Hier finden in unregelmäßigen Abständen hochkarätige Konzerte mit Musikerinnen und Musikern statt, die normalerweise auf den ganz großen Bühnen spielen. Hier gibt es die Möglichkeit, diese Musiker:Innen ganz hautnah und in Salon-Atmosphäre zu erleben. Allerdings gibt es auch nur 36 Sitzplätze und die Karten dafür sind in der Regel schnell vergriffen:
Dazu stellen bildende Künstlerinnen und Künstler aus der Region ihre Malereien, Zeichnungen oder Fotografien aus. Diese Ausstellungen kann man auch unter der Woche und ohne Konzert besichtigen – einfach klingeln, der Eintritt ist frei.
Betrieben wird die Kleine Fleth-Philharmonie vom Buxtehuder Hasko Witte, der seit etlichen Jahren eine Künstler- & PR-Agentur leitet. Er ist zwar in der Klassischen Musik zu Hause und arbeitet für internationale Orchester und Solisten, er erfreut sich aber auch an Jazz & Welt-Musik. Seine Büroräume befinden sich im hinteren Teil vom Westfleth Nr. 37. Die Kleine Fleth-Philharmonie ist ein Traum, den er sich im November 2021 erfüllt hat.
Barocknetzwerk: Mit Bach vor den Toren der Stadt
Frieda Jolande Barck Sopran
Johanna Krödel Alt
Christian Pohlers Tenor
Matthias Vieweg Bass
Concerto Brandenburg
Kantorei & Singschule St. Johannis
Ulf Wellner Leitung
Programm
Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion für Soli, Doppelchor und Doppelorchester BWV 244
Bachstadt Lüneburg
Beginnend mit dem Frühjahr 1700 lebte Johann Sebastian Bach zwei Jahre lang als Schüler der Partikularschule des Michaelisklosters in Lüneburg. Auch wenn wir nur wenig über diese Zeit wissen, kann man davon ausgehen, dass er in der Zeit an St. Michaelis zahlreiche Anregungen erhielt, die für seine spätere Entwicklung von großer Bedeutung waren. Bach war bereits im Alter von neun Jahren Vollwaise geworden. Die Erziehung übernahm daraufhin sein älterer Bruder Johann Christoph in Ohrdruf. Am dortigen Lyzeum erhielt der Knabe auf Grund eines Stipendiums eine schulische Ausbildung. Nach dem unerwarteten Verlust dieses Stipendiums entschlossen der jugendliche Bach, der im März des Jahres 1700 fünfzehn Jahre alt wurde, und sein Freund Georg Erdmann, ihre Schulausbildung in Lüneburg fortzusetzen. Bach schloss im Frühjahr 1702 diese Ausbildung erfolgreich ab. Obwohl Bach nur zwei Jahre in Lüneburg gelebt hat, kommt dieser Zeit aus verschiedenen Gründen eine besondere Bedeutung zu:
- Die Zeit in Lüneburg war für Bach der einzige längere „Auslandsaufenthalt“ in seinem Leben außerhalb der Region Thüringen und Sachsen.
- Er erhielt in der benachbarten Hauptkirche St. Johannis Unterricht bei Georg Böhm, der zu den wichtigsten Organisten im norddeutschen Raum gerechnet werden kann. Die große Orgel von St. Johannis gehört zu den weltweit bedeutendsten Zeugnissen des niederländischen Renaissance-Orgelbaus.
- Er lernte mehrere norddeutsche Kirchen mit ihren großen Orgeln und ihrer musikalisch anspruchsvollen Gottesdienstgestaltung kennen.
- Mindestens eine Fußwanderung nach Hamburg ist belegt. Dort hat der berühmte Organist Johann Adam Reincken an St. Katharinen einen tiefen Eindruck auf den jungen Bach gemacht.
- Er kam in Kontakt mit der Ritterakademie an St. Michaelis, einer Schule für Adlige, deren schulische Leistungen zwar oft hinter denen der bürgerlichen Lateinschule, an der Bach lernte, zurückblieben, die aber dafür regelmäßigen Unterricht in den höfischen Disziplinen Reiten, Fechten und Tanzen erhielten. In diesem Zusammenhang lernte er die französische Hofmusik kennen, die der Landesfürst direkt aus Paris importierte. An der Ritterakademie wurden regelmäßig französische Schauspiele und Singspiele abgehalten.
- An der Michaelisschule befand sich damals eine der größten Chorbibliotheken Deutschlands. Hier konnte er die besten und modernsten deutschen und italienischen Meister kennenlernen.
- Während seines Aufenthaltes wurde eine Chororgel für St. Michaelis gebaut. Hier knüpfte er Kontakt zu Balthasar Held, einem engen Mitarbeiter des berühmten Orgelbauers Arp Schnitger.
Der Aufenthalt Bachs in Lüneburg dokumentiert die musikalische Bedeutung der Stadt. Die Latein- oder Partikularschule St. Michaelis, an der er lernte, blickte schon damals auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurück. Die Schüler hatten kostenlosen Unterricht, was sonst keineswegs selbstverständlich war. Wenn sie von außerhalb kamen, konnten sie sich sogar um einen „Freitisch“, also um freie Kost und Logis, bewerben. Als Vollwaise aus einer Musikerfamilie war es für den 15-jährigen Bach ein Glücksfall, eine Schule zu finden, deren Zöglinge – wie es in einer alten Akte heißt – „armer Leute Kinder sein mussten, so nichts zu leben aber gute Stimmen zum Diskant hatten, damit sie der Kirche dienlich wären.“ Die Schüler verdienten also ihre Vergünstigungen, indem sie die täglichen Gottesdienste musikalisch gestalteten.
Mit der Aufführung der Matthäus-Passion in der Johanniskirche in Lüneburg - 325 Jahre nach Bachs erstem Eintreffen in dieser norddeutschen Hansestadt – ist das lebendige Weitertragen von Geschichte in die Zukunft.
Programm
Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion für Soli, Doppelchor und Doppelorchester BWV 244
Bachstadt Lüneburg
Beginnend mit dem Frühjahr 1700 lebte Johann Sebastian Bach zwei Jahre lang als Schüler der Partikularschule des Michaelisklosters in Lüneburg. Auch wenn wir nur wenig über diese Zeit wissen, kann man davon ausgehen, dass er in der Zeit an St. Michaelis zahlreiche Anregungen erhielt, die für seine spätere Entwicklung von großer Bedeutung waren. Bach war bereits im Alter von neun Jahren Vollwaise geworden. Die Erziehung übernahm daraufhin sein älterer Bruder Johann Christoph in Ohrdruf. Am dortigen Lyzeum erhielt der Knabe auf Grund eines Stipendiums eine schulische Ausbildung. Nach dem unerwarteten Verlust dieses Stipendiums entschlossen der jugendliche Bach, der im März des Jahres 1700 fünfzehn Jahre alt wurde, und sein Freund Georg Erdmann, ihre Schulausbildung in Lüneburg fortzusetzen. Bach schloss im Frühjahr 1702 diese Ausbildung erfolgreich ab. Obwohl Bach nur zwei Jahre in Lüneburg gelebt hat, kommt dieser Zeit aus verschiedenen Gründen eine besondere Bedeutung zu:
- Die Zeit in Lüneburg war für Bach der einzige längere „Auslandsaufenthalt“ in seinem Leben außerhalb der Region Thüringen und Sachsen.
- Er erhielt in der benachbarten Hauptkirche St. Johannis Unterricht bei Georg Böhm, der zu den wichtigsten Organisten im norddeutschen Raum gerechnet werden kann. Die große Orgel von St. Johannis gehört zu den weltweit bedeutendsten Zeugnissen des niederländischen Renaissance-Orgelbaus.
- Er lernte mehrere norddeutsche Kirchen mit ihren großen Orgeln und ihrer musikalisch anspruchsvollen Gottesdienstgestaltung kennen.
- Mindestens eine Fußwanderung nach Hamburg ist belegt. Dort hat der berühmte Organist Johann Adam Reincken an St. Katharinen einen tiefen Eindruck auf den jungen Bach gemacht.
- Er kam in Kontakt mit der Ritterakademie an St. Michaelis, einer Schule für Adlige, deren schulische Leistungen zwar oft hinter denen der bürgerlichen Lateinschule, an der Bach lernte, zurückblieben, die aber dafür regelmäßigen Unterricht in den höfischen Disziplinen Reiten, Fechten und Tanzen erhielten. In diesem Zusammenhang lernte er die französische Hofmusik kennen, die der Landesfürst direkt aus Paris importierte. An der Ritterakademie wurden regelmäßig französische Schauspiele und Singspiele abgehalten.
- An der Michaelisschule befand sich damals eine der größten Chorbibliotheken Deutschlands. Hier konnte er die besten und modernsten deutschen und italienischen Meister kennenlernen.
- Während seines Aufenthaltes wurde eine Chororgel für St. Michaelis gebaut. Hier knüpfte er Kontakt zu Balthasar Held, einem engen Mitarbeiter des berühmten Orgelbauers Arp Schnitger.
Der Aufenthalt Bachs in Lüneburg dokumentiert die musikalische Bedeutung der Stadt. Die Latein- oder Partikularschule St. Michaelis, an der er lernte, blickte schon damals auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurück. Die Schüler hatten kostenlosen Unterricht, was sonst keineswegs selbstverständlich war. Wenn sie von außerhalb kamen, konnten sie sich sogar um einen „Freitisch“, also um freie Kost und Logis, bewerben. Als Vollwaise aus einer Musikerfamilie war es für den 15-jährigen Bach ein Glücksfall, eine Schule zu finden, deren Zöglinge – wie es in einer alten Akte heißt – „armer Leute Kinder sein mussten, so nichts zu leben aber gute Stimmen zum Diskant hatten, damit sie der Kirche dienlich wären.“ Die Schüler verdienten also ihre Vergünstigungen, indem sie die täglichen Gottesdienste musikalisch gestalteten.
Mit der Aufführung der Matthäus-Passion in der Johanniskirche in Lüneburg - 325 Jahre nach Bachs erstem Eintreffen in dieser norddeutschen Hansestadt – ist das lebendige Weitertragen von Geschichte in die Zukunft.
Barocknetzwerk: Mit Bach vor den Toren der Stadt
Katharina Leyhe Sopran
Nina Schumertl Alt
Fridolin Wissemann Evangelist
Jan-Hendrik Jensch Jesus
Konstantin Heintel Arien
Lübecker Knabenkantorei
Musica Baltica
Merle Hillmer Leitung
Einzigartige Synthese aus Architektur, Musik und geistlicher Tradition
St. Aegidien, eine der fünf Lübecker Hauptkirchen, ist ein beeindruckendes Beispiel norddeutscher Backsteingotik. Ihre klare, aufstrebende Architektur mit ihren weitläufigen Gewölben und spitzbogigen Fenstern strahlt eine zeitlose Erhabenheit aus. Der um verschiedene barocke Elemente, wie den Hochaltar, das Taufbecken und den Orgelprospekt erweiterte Raum bietet einen passenden Rahmen für die Aufführung von Bachs gewaltiger Passionsmusik, die selbst von tiefster Spiritualität durchdrungen ist. Bachs Johannes-Passion verbindet eine emotionale und theologische Tiefe mit der formalen Strenge und Schönheit barocker Kompositionstechniken. Polyphone Strukturen, ausdrucksstarke Chöre und Arien sowie die kunstvolle Verwendung des Chorals machen sie zu einem Meisterwerk, welches die Grenzen des rein Musikalischen sprengt und zur geistlichen Meditation wird. In der gotischen St. Aegidien-Kirche entfalten diese Elemente eine besondere Wirkung: Die Akustik der hohen, steinernen Gewölbe verstärkt den Klang der Musik und lässt die Chor- und Orchesterklänge förmlich im Raum schweben und die filigrane Lichtführung durch die gotischen Fenster unterstreicht die dramatischen Kontraste von Leid und Hoffnung in Bachs Passion.
Die Lübecker Knabenkantorei, 1948 gegründet, fügt diesem Kontext eine weitere Ebene hinzu. Die jugendlichen Stimmen des Knabenchores verkörpern eine Reinheit, die den Charakter der Musik Bachs ideal unterstreicht. Zudem reflektieren die Knaben- und Männerstimmen die historische Aufführungspraxis, wie sie zu Bachs Zeit üblich war.
Die Verbindung von Barock und Gotik wird hier zu einem Gesamtkunstwerk, in dem Architektur, Musik und Aufführung miteinander verschmelzen. Die spirituelle Dimension der gotischen Kirche verstärkt die Botschaft der Passion und bietet dem Publikum die Möglichkeit, die tiefgreifende Wechselwirkung zwischen zwei bedeutenden Epochen der Kunstgeschichte unmittelbar zu erleben.
Einzigartige Synthese aus Architektur, Musik und geistlicher Tradition
St. Aegidien, eine der fünf Lübecker Hauptkirchen, ist ein beeindruckendes Beispiel norddeutscher Backsteingotik. Ihre klare, aufstrebende Architektur mit ihren weitläufigen Gewölben und spitzbogigen Fenstern strahlt eine zeitlose Erhabenheit aus. Der um verschiedene barocke Elemente, wie den Hochaltar, das Taufbecken und den Orgelprospekt erweiterte Raum bietet einen passenden Rahmen für die Aufführung von Bachs gewaltiger Passionsmusik, die selbst von tiefster Spiritualität durchdrungen ist. Bachs Johannes-Passion verbindet eine emotionale und theologische Tiefe mit der formalen Strenge und Schönheit barocker Kompositionstechniken. Polyphone Strukturen, ausdrucksstarke Chöre und Arien sowie die kunstvolle Verwendung des Chorals machen sie zu einem Meisterwerk, welches die Grenzen des rein Musikalischen sprengt und zur geistlichen Meditation wird. In der gotischen St. Aegidien-Kirche entfalten diese Elemente eine besondere Wirkung: Die Akustik der hohen, steinernen Gewölbe verstärkt den Klang der Musik und lässt die Chor- und Orchesterklänge förmlich im Raum schweben und die filigrane Lichtführung durch die gotischen Fenster unterstreicht die dramatischen Kontraste von Leid und Hoffnung in Bachs Passion.
Die Lübecker Knabenkantorei, 1948 gegründet, fügt diesem Kontext eine weitere Ebene hinzu. Die jugendlichen Stimmen des Knabenchores verkörpern eine Reinheit, die den Charakter der Musik Bachs ideal unterstreicht. Zudem reflektieren die Knaben- und Männerstimmen die historische Aufführungspraxis, wie sie zu Bachs Zeit üblich war.
Die Verbindung von Barock und Gotik wird hier zu einem Gesamtkunstwerk, in dem Architektur, Musik und Aufführung miteinander verschmelzen. Die spirituelle Dimension der gotischen Kirche verstärkt die Botschaft der Passion und bietet dem Publikum die Möglichkeit, die tiefgreifende Wechselwirkung zwischen zwei bedeutenden Epochen der Kunstgeschichte unmittelbar zu erleben.
Barocknetzwerk: Mit Bach vor den Toren der Stadt
Das Osterfest mit Bach
Im festlichen Rahmen des Osterfestgottesdienstes der großen gotischen Lübecker Hauptkirche St. Marien erklingt Johann Sebastian Bachs frühe Osterkantate „Christ lag in Todesbanden“ (BWV 4), ein Meisterwerk barocker Chormusik. Diese bedeutende Komposition gehört zu Bachs ersten erhaltenen Kantaten und wurde vermutlich 1707 für Ostern in Arnstadt geschrieben. Sie zeichnet sich durch ihre einzigartige Verbindung von liturgischem Text und tiefgründiger musikalischer Gestaltung aus. Die sieben Sätze der Kantate basieren auf Martin Luthers gleichnamigem Osterchoral, der sowohl textlich als auch melodisch in allen Teilen der Komposition präsent ist. Jeder Satz interpretiert eine Strophe des Chorals auf eindringliche Weise. Dabei verbindet Bach mittelalterliche Kompositionstechniken wie den Cantus firmus mit barocken Ausdrucksmitteln. Das Wechselspiel zwischen Solostimmen, Chor und Orchester verleiht der Kantate eine dynamische Dramatik, die die Botschaft von Christi Auferstehung intensiv erlebbar macht.
Die Klangwelt von BWV 4 reicht von klagenden, chromatischen Passagen, die das Leiden Christi schildern, bis hin zu triumphalen Klängen, welche die Freude über den Sieg des Lebens über den Tod ausdrücken. Besonders eindrucksvoll ist die Schlussstrophe „Wir essen und leben wohl“, die mit ihrer jubilierenden Fuge den Höhepunkt des Werkes bildet.
Im Rahmen des Internationalen Bachfestes Hamburg wird die Aufführung dieser Kantate in St. Marien Lübeck zu einem besonderen Erlebnis. Die Marienkirche, errichtet 1265 bis 1351, ist als Lübecker Markt- und Hauptpfarrkirche Teil des UNESCO-Welterbes Lübecker Altstadt und eine der größten Backsteinkirchen der Welt. Sie, die als „Mutterkirche der Backsteingotik“ bezeichne wird, ist selbst ein Ort mit reicher musikalischer Tradition und Teil einer neuen Vision, dem Netzwerk der nordischen Bachstädte (Lübeck, Lüneburg, Hamburg). Dieses Netzwerk widmet sich der Erforschung und Pflege der Spuren, die der junge Johann Sebastian Bach in Norddeutschland hinterlassen hat. Lübeck war für Bach eine bedeutende Inspirationsquelle, insbesondere durch sein Studium der Werke von Dieterich Buxtehude, dem berühmten Organisten an St. Marien.
Mit der Aufführung von BWV 4 schlägt dieser Gottesdienst eine Brücke zwischen der historischen Tradition und einer lebendigen, zeitgemäßen Auseinandersetzung mit Bachs Musik. So wird der Osterfestgottesdienst in einer der beeindruckendsten gotischen Hallenkirchen zu einem feslichen Erlebnis, das Glaube und Kunst miteinander vereint.
Das Osterfest mit Bach
Im festlichen Rahmen des Osterfestgottesdienstes der großen gotischen Lübecker Hauptkirche St. Marien erklingt Johann Sebastian Bachs frühe Osterkantate „Christ lag in Todesbanden“ (BWV 4), ein Meisterwerk barocker Chormusik. Diese bedeutende Komposition gehört zu Bachs ersten erhaltenen Kantaten und wurde vermutlich 1707 für Ostern in Arnstadt geschrieben. Sie zeichnet sich durch ihre einzigartige Verbindung von liturgischem Text und tiefgründiger musikalischer Gestaltung aus. Die sieben Sätze der Kantate basieren auf Martin Luthers gleichnamigem Osterchoral, der sowohl textlich als auch melodisch in allen Teilen der Komposition präsent ist. Jeder Satz interpretiert eine Strophe des Chorals auf eindringliche Weise. Dabei verbindet Bach mittelalterliche Kompositionstechniken wie den Cantus firmus mit barocken Ausdrucksmitteln. Das Wechselspiel zwischen Solostimmen, Chor und Orchester verleiht der Kantate eine dynamische Dramatik, die die Botschaft von Christi Auferstehung intensiv erlebbar macht.
Die Klangwelt von BWV 4 reicht von klagenden, chromatischen Passagen, die das Leiden Christi schildern, bis hin zu triumphalen Klängen, welche die Freude über den Sieg des Lebens über den Tod ausdrücken. Besonders eindrucksvoll ist die Schlussstrophe „Wir essen und leben wohl“, die mit ihrer jubilierenden Fuge den Höhepunkt des Werkes bildet.
Im Rahmen des Internationalen Bachfestes Hamburg wird die Aufführung dieser Kantate in St. Marien Lübeck zu einem besonderen Erlebnis. Die Marienkirche, errichtet 1265 bis 1351, ist als Lübecker Markt- und Hauptpfarrkirche Teil des UNESCO-Welterbes Lübecker Altstadt und eine der größten Backsteinkirchen der Welt. Sie, die als „Mutterkirche der Backsteingotik“ bezeichne wird, ist selbst ein Ort mit reicher musikalischer Tradition und Teil einer neuen Vision, dem Netzwerk der nordischen Bachstädte (Lübeck, Lüneburg, Hamburg). Dieses Netzwerk widmet sich der Erforschung und Pflege der Spuren, die der junge Johann Sebastian Bach in Norddeutschland hinterlassen hat. Lübeck war für Bach eine bedeutende Inspirationsquelle, insbesondere durch sein Studium der Werke von Dieterich Buxtehude, dem berühmten Organisten an St. Marien.
Mit der Aufführung von BWV 4 schlägt dieser Gottesdienst eine Brücke zwischen der historischen Tradition und einer lebendigen, zeitgemäßen Auseinandersetzung mit Bachs Musik. So wird der Osterfestgottesdienst in einer der beeindruckendsten gotischen Hallenkirchen zu einem feslichen Erlebnis, das Glaube und Kunst miteinander vereint.
Barocknetzwerk: Mit Bach vor den Toren der Stadt
Jakub Moneta (Polen), Orgel
Preisträger Internationaler Bachwettbewerb Leipzig 2024
Veranstalter: Verein zum Erhalt der Gloger-Orgel Otterndorf e.V.
Programm
Nicolaus Bruhns (1665-1697)
Praeludium G-Dur
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr, BWV 662
Präludium & Fuga a-moll, BWV 543
Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr, BWV 664
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Sonate Nr.1 f-moll op. 65
Allegro moderato e serioso - Adagio - Andante Recitativo - Allegro assai vivace
Georg Friedrich Händel (1685-1759)
Alleluja aus dem Oratorium The Messiah HWV 56
Orgelfassung: Théodore Dubois (1837-1924)
Beschreibung
Die St. Severi Kirche in Otterndorf aus dem 12. Jahrhundert ist - neben St. Nicolai in Altenbruch und St. Jacobi in Lüdingworth - einer der drei sogenannten „Bauerndome“ im Hadelner Land, nahe Cuxhaven und der Elb- Nordeemündung gelegen. Nach der Reformation um 1526 genoss die Kirchengemeinde Otterndorf durch eine eigene Hadelner Kirchenordnung große Privilegien. Der langanhaltende Wohlstand der Gemeinde und des Landes Hadeln durch einen besonders fruchtbaren Boden wird u.a. in der reichen Barockausstattung der Kirche sichtbar. In St. Severi befindet sich eine der bedeutendsten Barockorgeln Nordeuropas. 1741–1742 erbaute Dietrich Christoph Gloger eine Orgel mit 46 Registern auf drei Manualen und Pedal und verwendete dabei 23 Registern des Vorgängerinstruments von Antonius Wilde (1596) und Hans Riege (1662). Mit ihren insgesamt 2676 Pfeifen war sie damals und ist bis in die heutige Zeit die größte Barockorgel im Elbe-Weser-Dreieck.
An diesem, 2022 von Hendrik Ahrend meisterhaft restaurierten und im Herbst 2024 eingeweihten Instrument, ist am Ostersonntag der junge polnische Organist Jakub Moneta zu erleben, der im vergangenen Jahr 2. Bachpreisträger beim international renommierten Bach-Wettbewerb Leipzig wurde. Mit einem fulminanten Programm präsentiert er die historische Gloger-Orgel in all ihren überwältigenden Klangfacetten.
Apropos Carl Philipp Emanuel Bach & Otterndorf:
In der Liste eines quer durch Europa wie ein Netz verteilten Vertriebssystems für seine gedruckten Noten taucht - neben 13 weiteren Orten in Niedersachsen (u.a. Braunschweig, Bückeburg, Celle, Göttingen, Hannover, Lüneburg, Oldenburg, Osnabrück und Wolfenbüttel) - auch Otterndorf auf. Die Hamburger Orgelschule mit Heinrich Scheidemann im 17. Jahrhundert und dann später auch die Musikdirektoren Georg Philipp Telemann und CPE Bach waren z.B. durch die Ausbildung von Organisten, die aus dem Umland kamen und zum Studium nach Hamburg pilgerten, auch „vor den Toren der Stadt“ musikalisch präsent. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch das durch seine berühmte Orgel herausgehobene Otterndorf Teil des Vertriebsnetzwerkes des „Hamburger“ Bach ist.
Programm
Nicolaus Bruhns (1665-1697)
Praeludium G-Dur
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr, BWV 662
Präludium & Fuga a-moll, BWV 543
Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr, BWV 664
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Sonate Nr.1 f-moll op. 65
Allegro moderato e serioso - Adagio - Andante Recitativo - Allegro assai vivace
Georg Friedrich Händel (1685-1759)
Alleluja aus dem Oratorium The Messiah HWV 56
Orgelfassung: Théodore Dubois (1837-1924)
Beschreibung
Die St. Severi Kirche in Otterndorf aus dem 12. Jahrhundert ist - neben St. Nicolai in Altenbruch und St. Jacobi in Lüdingworth - einer der drei sogenannten „Bauerndome“ im Hadelner Land, nahe Cuxhaven und der Elb- Nordeemündung gelegen. Nach der Reformation um 1526 genoss die Kirchengemeinde Otterndorf durch eine eigene Hadelner Kirchenordnung große Privilegien. Der langanhaltende Wohlstand der Gemeinde und des Landes Hadeln durch einen besonders fruchtbaren Boden wird u.a. in der reichen Barockausstattung der Kirche sichtbar. In St. Severi befindet sich eine der bedeutendsten Barockorgeln Nordeuropas. 1741–1742 erbaute Dietrich Christoph Gloger eine Orgel mit 46 Registern auf drei Manualen und Pedal und verwendete dabei 23 Registern des Vorgängerinstruments von Antonius Wilde (1596) und Hans Riege (1662). Mit ihren insgesamt 2676 Pfeifen war sie damals und ist bis in die heutige Zeit die größte Barockorgel im Elbe-Weser-Dreieck.
An diesem, 2022 von Hendrik Ahrend meisterhaft restaurierten und im Herbst 2024 eingeweihten Instrument, ist am Ostersonntag der junge polnische Organist Jakub Moneta zu erleben, der im vergangenen Jahr 2. Bachpreisträger beim international renommierten Bach-Wettbewerb Leipzig wurde. Mit einem fulminanten Programm präsentiert er die historische Gloger-Orgel in all ihren überwältigenden Klangfacetten.
Apropos Carl Philipp Emanuel Bach & Otterndorf:
In der Liste eines quer durch Europa wie ein Netz verteilten Vertriebssystems für seine gedruckten Noten taucht - neben 13 weiteren Orten in Niedersachsen (u.a. Braunschweig, Bückeburg, Celle, Göttingen, Hannover, Lüneburg, Oldenburg, Osnabrück und Wolfenbüttel) - auch Otterndorf auf. Die Hamburger Orgelschule mit Heinrich Scheidemann im 17. Jahrhundert und dann später auch die Musikdirektoren Georg Philipp Telemann und CPE Bach waren z.B. durch die Ausbildung von Organisten, die aus dem Umland kamen und zum Studium nach Hamburg pilgerten, auch „vor den Toren der Stadt“ musikalisch präsent. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch das durch seine berühmte Orgel herausgehobene Otterndorf Teil des Vertriebsnetzwerkes des „Hamburger“ Bach ist.
Barocknetzwerk: Mit Bach vor den Toren der Stadt
Studierende der Orgelklassen der Hochschule für Musik und Theater Hamburg
Eintritt frei. Spenden erbeten.
Programm
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784)
Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788)
Beschreibung
Die Hansestadt Stade, gelegen an der Elbe, blickt auf eine reiche Geschichte zurück, die bis ins 9. Jahrhundert reicht. Als ehemaliges Mitglied des Hansebundes spielte Stade eine bedeutende Rolle im mittelalterlichen Handelsnetzwerk und war zeitweise sogar wichtiger als Hamburg.
Die Silhouette der Stadt wird geprägt von zwei großen Kirchen: St. Cosmae et Damiani ist fast so alt wie Stade selbst, ihr achteckiger Kirchturm ist das Wahrzeichen der Stadt und ihre historische Huß-Schnitger-Orgel zählt zu den kostbarsten Barockinstrumenten Deutschlands.
Die dreischiffige gotische Hallenkirche St. Wilhadi, die größte im Erzstift Bremen, entstammt der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. 1659 wurde die Kirche im Inneren zerstört und danach neu ausgestattet. Von der Innenausstattung bemerkenswert sind Altar und Kanzel von 1660, Kronleuchter des 16. und 17. Jahrhunderts und eine Reihe von Epitaphen. Bei der Restaurierung des Kircheninneren im 20. Jahrhundert konnte Teile der alten Deckenbemalung wieder hergestellt werden. Ähnlich wie in St. Cosmae beherbergt auch St. Wilhadi eine Orgel von kulturhistorischer Bedeutung. Das wertvolle Barockinstrument wurde 1731-36 von Orgelbaumeister Erasmus Bielfeldt erbaut. Bielfeldt wirkte hauptsächlich in der Orgellandschaft zwischen Elbe und Weser. Dank der Restaurierung seines Orgelwerkes in St. Wilhadi durch Jürgen Ahrend im Jahre 1990 hat die Orgel heute wieder ihr historisches Klangbild und ist geradezu prädestiniert, um die Werke von Johann Sebastian Bach und seiner Söhne als Ausklang des Internationalen Bachfestes Hamburg in strahlendem Glanz erklingen zu lassen.
Gespannt darf man dabei auf die Interpretationen der jungen Organistinnen und Organisten der Hamburger Musikhochschule sein, die Ihr Können an diesem wertvollen historischen Instrument zeigen. Österliche Musik Johann Sebastian Bachs trifft auf die Sturm & Drang- Musik seiner beiden ältesten Söhne Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel.
Programm
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784)
Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788)
Beschreibung
Die Hansestadt Stade, gelegen an der Elbe, blickt auf eine reiche Geschichte zurück, die bis ins 9. Jahrhundert reicht. Als ehemaliges Mitglied des Hansebundes spielte Stade eine bedeutende Rolle im mittelalterlichen Handelsnetzwerk und war zeitweise sogar wichtiger als Hamburg.
Die Silhouette der Stadt wird geprägt von zwei großen Kirchen: St. Cosmae et Damiani ist fast so alt wie Stade selbst, ihr achteckiger Kirchturm ist das Wahrzeichen der Stadt und ihre historische Huß-Schnitger-Orgel zählt zu den kostbarsten Barockinstrumenten Deutschlands.
Die dreischiffige gotische Hallenkirche St. Wilhadi, die größte im Erzstift Bremen, entstammt der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. 1659 wurde die Kirche im Inneren zerstört und danach neu ausgestattet. Von der Innenausstattung bemerkenswert sind Altar und Kanzel von 1660, Kronleuchter des 16. und 17. Jahrhunderts und eine Reihe von Epitaphen. Bei der Restaurierung des Kircheninneren im 20. Jahrhundert konnte Teile der alten Deckenbemalung wieder hergestellt werden. Ähnlich wie in St. Cosmae beherbergt auch St. Wilhadi eine Orgel von kulturhistorischer Bedeutung. Das wertvolle Barockinstrument wurde 1731-36 von Orgelbaumeister Erasmus Bielfeldt erbaut. Bielfeldt wirkte hauptsächlich in der Orgellandschaft zwischen Elbe und Weser. Dank der Restaurierung seines Orgelwerkes in St. Wilhadi durch Jürgen Ahrend im Jahre 1990 hat die Orgel heute wieder ihr historisches Klangbild und ist geradezu prädestiniert, um die Werke von Johann Sebastian Bach und seiner Söhne als Ausklang des Internationalen Bachfestes Hamburg in strahlendem Glanz erklingen zu lassen.
Gespannt darf man dabei auf die Interpretationen der jungen Organistinnen und Organisten der Hamburger Musikhochschule sein, die Ihr Können an diesem wertvollen historischen Instrument zeigen. Österliche Musik Johann Sebastian Bachs trifft auf die Sturm & Drang- Musik seiner beiden ältesten Söhne Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel.